Glossar

Fachglossar, Leitfaden und Best-Practices

​1. Einleitung

​Willkommen in unserem umfassenden Glossar für historische Zeitungen, Dokumente und Druckwerke. Wer historische Zeitungen sammeln möchte oder wertvolle Primärquellen besitzt, steht oft vor der Herausforderung der fachgerechten Erhaltung und Konservierung.

​Dieses Glossar dient als Referenz für Fachbegriffe aus dem Sammlungsmanagement, der Papierrestaurierung und der präventiven Konservierung. Ob es um die Bestimmung einer Inkunabel, die chemischen Prozesse beim Tintenfraß oder die moderne Retrodigitalisierung geht – hier finden Sammler, Archivare und Forscher die nötige Fachexpertise. Unser Ziel ist es, durch die Vermittlung von Wissen über ligninfreie Archivierung und säurefreie Lagerung einen Beitrag zum langfristigen Erhalt unseres kulturellen Erbes zu leisten.

 

​2. Fachglossar

​Grundbegriffe

      Historische Zeitung: Regelmäßig erschienene Druckpublikation vergangener Zeiten; wesentliche Primärquelle.

      Zeitschrift: Thematisch spezialisierte periodische Publikation (monatlich/quartalsweise).

      Druckwerk: Allgemeiner Oberbegriff für alle gedruckten Erzeugnisse (Bücher, Flugblätter, Zeitungen).

      Dokument: Schriftliches oder gedrucktes Zeugnis wie Briefe, Urkunden oder Akten.

      Plakat / Poster: Großformatiges Druckerzeugnis für Werbung, Information oder Propaganda.

      Musikalien: Sammelbegriff für gedruckte oder handschriftliche Noten und Partituren.

      Flugblatt: Ungebundenes Einzelblatt mit aktueller Information, oft politisch oder propagandistisch.

      Broschüre / Kleinschrift: Dünnes, meist mehrseitiges Druckwerk zu einem spezifischen Thema.

      Primärquelle: Unmittelbares Originalzeugnis aus der jeweiligen Zeit.

      Sekundärquelle: Spätere wissenschaftliche Interpretation oder Auswertung einer Primärquelle.

      Manuskript: Handschriftliches Dokument, oft Vorstufe zu einem Druckwerk.

      Inkunabel (Wiegendruck): Druckwerke, die vor dem 31.12.1500 mit beweglichen Lettern entstanden sind.

      Einblattdruck: Ein nur einseitig bedrucktes Blatt, oft für frühe amtliche Bekanntmachungen.

      Gazette: Historische Bezeichnung für ein Nachrichtenblatt oder eine offizielle Zeitung.

•   ​Tarnschriften (1933-1945): Illegale Widerstandsliteratur, die durch eine harmlose äußere Hülle (Tarnung) vor der Entdeckung geschützt wurde.

 

​Archiv- und Bibliotheksbegriffe

      Sammlungsmanagement: Die strategische Verwaltung, Dokumentation und Pflege einer Sammlung.

      Archivgut: Dokumente oder Druckwerke mit dauerhaftem historischen oder rechtlichen Wert.

      Bestand: Gesamtheit der Objekte innerhalb einer Sammlung oder eines Archivs.

      Nachlass: Dokumente und Materialien, die eine Person nach ihrem Tod hinterlässt.

      Provenienz: Herkunftsgeschichte eines Objekts; entscheidend für die Authentizität.

      Erschließung: Systematisches Ordnen und Verzeichnen von Beständen für die Forschung.

      Findbuch: Verzeichnis zur detaillierten Beschreibung und Auffindbarkeit von Beständen.

      Signatur: Eindeutige Kennzeichnung zur Identifikation und Standortbestimmung.

      Depositum: Eine Sammlung, die einem Archiv zur Verwahrung übergeben wird.

      Katalogisierung: Systematische Erfassung von Objekten in einer Datenbank.

      Kassation: Fachlich begründete Vernichtung von Unterlagen ohne bleibenden historischen Wert.

 

​Konservierung und Restaurierung

      Papierrestaurierung: Aktive Eingriffe am Objekt (z. B. Risse schließen), um die Substanz wiederherzustellen.

      Präventive Konservierung: Indirekte Maßnahmen (Klima, Licht) zur Verlangsamung des Verfalls.

      Entsäuerung: Chemische Neutralisierung von Säuren im Papier, um den Zerfall zu stoppen.

      Anfasern: Technik, bei der Fehlstellen mit flüssiger Papiermasse geschlossen werden.

      Tintenfraß: Chemische Zersetzung des Papiers durch aggressive, eisenhaltige Tinten.

      Lignin: Holzbestandteil, der Papier vergilben und brüchig werden lässt.

      Planlegung: Vorsichtiges Glätten von Rollen oder Falten durch kontrollierte Befeuchtung.

      Säurefreies Papier: Archivpapier ohne schädliche Säuren; altert deutlich langsamer.

      Vergilbung: Gelbliche Verfärbung des Papiers infolge von Alterungsprozessen.

      Papierbrüchigkeit: Zustand, bei dem das Papier spröde wird und leicht reißt.

      UV-Schäden: Zerfall von Papier und Farben durch direkte Lichteinwirkung.

 

​Aufbewahrung und Schutzmaterialien

      Archivbox: Säurefreie Box zur geschützten Lagerung.

      Mylar-Folie: Chemisch stabile Polyesterhülle zum Schutz empfindlicher Dokumente.

      Kapselung: Loses Einlegen in eine an den Rändern versiegelte Folie zur Stabilisierung.

      PAT (Photographic Activity Test): Test zur chemischen Unbedenklichkeit von Schutzmaterialien.

      Pufferung: Zusatz von Calciumcarbonat im Papier, um Säuren langfristig zu binden.

      Flachlagerung: Bevorzugte Lagerung ohne Falten (ideal für Zeitungen und Plakate).

      Klimatisierte Lagerung: Ideal 15-20°C bei 35-50% relativer Luftfeuchtigkeit.

 

​Sammlerbegriffe und Markt

      Originalausgabe: Echte, zeitgenössische Ausgabe; keine Kopie oder Nachdruck.

      Reprint / Faksimile: Moderner Nachdruck bzw. detailgetreue Nachbildung eines Originals.

      Erhaltungszustand: Fachliche Bewertung des physischen Zustands (Zustandsnoten).

      Seltenheit: Kriterium der weltweit noch existierenden Exemplare.

      Ephemera: Kurzlebige Drucksachen (Fahrkarten, Speisekarten), heute seltene Sammlerstücke.

      Autograph: Eigenhändige Unterschrift einer bekannten Persönlichkeit.

 

​Digitalisierung und Forschung

      Retrodigitalisierung: Überführung analoger Bestände in digitale Formate zur Schonung der Originale.

      OCR (Optical Character Recognition): Texterkennung für durchsuchbare digitale Dokumente.

      Metadaten: Strukturierte Daten (Datum, Autor, Thema), die ein Objekt beschreiben.

      Quellenkritik: Wissenschaftliche Bewertung von Quellen auf Echtheit und Aussagekraft.

 

​Drucktechnik und Formate (Zusatzbegriffe)

      Frakturschrift: Typische gebrochene Schriftart in deutschen Zeitungen bis ca. 1941.

      Broadsheet: Klassisches, großformatiges Zeitungsformat.

      Folio / Quart / Oktav: Standardformate, definiert durch die Anzahl der Faltungen eines Bogenpapiers. Folio – einmal gefaltet (4 Seiten), Quart – zweimal gefaltet (8 Seiten) und Oktav – dreimal gefaltet (16 Seiten).

      Colophon: Vermerk am Ende eines Werks mit Informationen zum Druck und Drucker.

      Lettern / Bleisatz: Einzelne Metallbuchstaben für den traditionellen Buchdruck.

      Typografie: Kunst der Schriftgestaltung und des Schriftsatzes.

 

 

​3. Kombinierte Checkliste für die Einlagerung

1.    Quarantäne und Prüfung: Neue Stücke separat lagern (Schimmel-/Schädlingsschutz).

2.    Entmetallisierung: Alte Büro- oder Heftklammern aus Eisen vorsichtig entfernen (Rostgefahr).

3.    Trockenreinigung: Losen Staub mit einem weichen Ziegenhaarpinsel vorsichtig entfernen.

4.    Dokumentation (Inventarisierung): Metadaten erfassen. Kennzeichnung der Hüllen nur mit weichem Bleistift.

5.    Verpackung: In ligninfreie, säurefreie Hüllen oder Archivboxen einlegen (Kapselung bei fragilen Stücken).

6.    Lagerort: Dunkel, kühl (15-20°C) und trocken (35–50% Luftfeuchtigkeit). Kein Keller oder Dachboden.

7.    Digitalisierung: Hochwertigen Scan für die tägliche Nutzung erstellen.

 

 

4. Vorbereitung einer Excel-Inventarliste

​Wie zuvor erwähnt, ist eine saubere Dokumentation (Inventarisierung) der wichtigste Schritt nach der Einlagerung. Hier ist ein Vorschlag, wie du dein digitales Sammlungsmanagement in Excel oder Google Sheets aufbaust:

Empfohlene Spaltenköpfe für dein Inventar:

1.    ID/Signatur: (z. B. ZEIT-001) – Einmalige Nummer zur Identifikation.

2.    Titel/Objekt: (z. B. Berliner Tageblatt).

3.    Datum: Erscheinungsdatum oder Zeitraum.

4.    Kategorie: Zeitung, Plakat, Musikalien, Flugblatt etc.

5.    Erhaltungszustand: Noten 1-5 oder Begriffe wie "stockfleckig", "tadellos".

6.    Provenienz: Woher stammt das Stück? Auktion, Dachbodenfund, Erbe.

7.    Lagerort: Box Nummer, Regal, Mappe.

8.    Digitalisat-Link: Pfad zum Scan auf deiner Festplatte.

9.    Bemerkungen: Besonderheiten wie Autographen oder seltene Beilagen.

 

Tipp: Nutze die Datenüberprüfung in Excel für die Spalte "Erhaltungszustand", um Dropdown-Menüs zu erstellen. So bleibt dein Inventar konsistent und lässt sich später leichter filtern.

Tabellenvorlage:

ID / Signatur

Titel / Objekt

Datum

Kategorie

Erhaltungszustand

Provenienz

Lagerort

Digitalisat-Link

Bemerkungen

ZEIT-001

Berliner Tageblatt

10.05.1920

Zeitung

stockfleckig, stabil

Auktion

R-1 / B-3

C:/ Archiv

mit Beilage